Montag, 18. November 2013

Doktorarbeit 14: Selbst in Bewegung

Markus Hruschka

Universität Hamburg Fachbereich Sportwissenschaft, 2004

Die westliche Gesellschaft, die Erich Fromm trotz demokratischer Verhältnisse, Friedensstabilität und materiellen Reichtums als kranke Gesellschaft bezeichnet, leidet an einer „Pathologie der Normalität“ (Vgl. Fromm 1989 c, 9). Diese generelle Festlegung bedeutet für jedes in dieser Gesellschaft existierende Individuum, dessen psychische Labilität und intensive Langeweile sich in psychosomatischen Krankheiten, Drogen- und Alkoholkonsum, Tablettenabhängigkeit etc. ausdrücken, kein originär individuelles Problem, als das es zunächst erscheint, sondern das Phänomen eines defekten Gesellschaftssystems, das seinen Mitgliedern nicht gestattet, Freiheit und Spontaneität zu erlangen und ihr Selbst unmittelbar zum Ausdruck zu bringen.

...

Die Ursache für die Entfremdung des Menschen von seinen unmittelbaren Bedürfnissen liegt in einer einseitigen Orientierung an der ökonomischen Produktion und am persönlichen und interindividuellen Konsum, die eine selbstbestimmte, innovative und aktive Lebensorientierung verhindert.

...

In der Selbst-Bewegung, den Bewegungen und ihrer Bedeutungserteilung kann sich eine individuelle Sinnsuche erfüllen oder zumindest im Ansatz vorbereitet werden. Im Sich-Bewegen und in den Bewegungen treten daher die individuelle Sinnfindung und der gesellschaftliche Spielraum hervor, der zur Beantwortung der Sinnfrage notwendig ist. Eine subjektive Interpretation aktueller Bewegungsbedeutungen und die lebensgeschichtlich und gesellschaftlich beeinflusste Beantwortung der Sinnfrage formen aber auch die Bewegungsqualität in Bewegungssituationen aus. In diesem Zusammenhang geht es daher um die Beachtung der im Laufe der Lebenszeit eingelagerten, aus lebensweltlichen und lebensgeschichtlichen Situationen stammenden Bewegungen, die eine symbolische Bedeutung haben und auf Bewegungsaktivitäten und -formen hinweisen, die mit individuellen Erlebnissen, Konflikten und Defiziten zu tun haben.

Mehr: hier Zum Tai Chi Chuan ab S. 308

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen